Kennst du eigentlich deinen Schreibtyp? Oder hast du dir darüber schon einmal Gedanken gemacht? Wenn nicht, dann wird es dafür einmal höchste Zeit. Denn dein Schreibtyp hilft dir dabei zu verstehen, wie du und dein Schreiben ticken. Daraus lassen sich Prozesse bzw. Methoden ableiten, die dein Schreiben auf das nächste Level bringen. Schauen wir uns das Ganze einmal genauer an.
Stell dir zunächst einmal folgende Situation vor:
Du sitzt vor deinem Manuskript, vielleicht vor Kapitel drei, vielleicht kurz vor dem Mittelteil, und du hast das Gefühl, dich in eine Sackgasse geschrieben zu haben und du weißt nicht mehr, ob dein Problem das Schreiben ist oder die Art, wie du es angehst.
Andere Schreibende scheinen immer eine Methode zu haben, die einfach flutsch.
Dabei gibt es die Verfechter eines Plans und die Verfechter des einfach drauf los schreiben und abwarten wohin es einen führt. Und du fragst dich, welche dieser beiden Welten wohl deine ist.
Die Wahrheit ist: Das ist keine Frage, die man einmal für immer beantwortet. Aber es ist eine Frage, die es wert ist, sich ihr ehrlich zu stellen. Denn wer mit der falschen Methode schreibt, schreibt nicht schlechter, aber oft frustrierter. Glaub mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich habe damals gefrustet nach Kapitel 10 aufgegeben und einen kompletten Neustart gemacht. Denn ich war meilenweit vom Flow entfernt, der gutes Schreiben erst so richtig ermöglicht.
Dieser Artikel ist nun eine Einladung dazu, dich selbst besser kennenzulernen. Als Schreibende Person. Als Mensch, der Geschichten erzählen will.
Was bedeutet Plotter und Pantser eigentlich?
Bevor wir tiefer gehen, kurz die Grundlage.
Der Plotter: Planen als Fundament
Plotter planen, bevor sie schreiben. Mal ausführlich, mal nur in großen Zügen, aber die Geschichte existiert bereits in irgendeiner Form im Kopf oder auf dem Papier, bevor die erste Szene geschrieben wird.
Die Stärken liegen auf der Hand: Plotter verlieren sich seltener im berühmt-berüchtigten „Sagging Middle“, dem Mittelteil, der durchhängt. Sie wissen, wohin die Reise geht. Sie können gezielt auf Wendepunkte hinarbeiten und behalten den Überblick über komplexe Handlungsstränge. Was gerade im Fantasybereich ausufernde Dimensionen annehmen kann. Mein aktuelles Projekt hat zum Beispiel sieben Handlungsstränge, die alle am Ende zusammenlaufen müssen. Das geht zwangsläufig nicht ohne Planung.
Aber es gibt auch Schattenseiten. Manche Plotter verlieren die Lust am Schreiben, sobald die Geschichte für sie bereits „gelöst“ ist. Der Plan kann zum Käfig werden: starr, eng, kein Raum für das Unerwartete. Und manchmal entsteht dabei Prosa, die sich anfühlt wie das Abarbeiten einer Liste.
Typische Situation für Plotter: Du weißt genau, dass in Kapitel 18 die große Konfrontation stattfindet. Und trotzdem sitzt du in Kapitel 7 fest, weil deine Figur einfach nicht das tut, was du geplant hast. Und ja, auch meine Figuren haben bereits ein seltsames Eigenleben entwickelt, worüber ich selbst oft überrascht war.
Der Pantser: Entdecken beim Schreiben
„Pantser“ kommt von „Flying by the seat of your pants“ – also: einfach drauflosschreiben, ohne Netz und doppelten Boden. Pantser folgen der Geschichte, wohin sie auch führt.
Das klingt nach Chaos. Und manchmal ist es das auch. Aber es ist produktives Chaos. Denn Pantser erleben beim Schreiben echte Überraschungen. Ihre Figuren entwickeln sich organisch. Szenen entstehen, die kein Plan hätte vorhergesehen. Und oft ist genau das der Funke, der einen Text lebendig macht.
Die Herausforderungen: Ohne Orientierung kann der Mittelteil zum Sumpf werden. Handlungsstränge verlieren sich. Und die Überarbeitung, also das Strukturieren im Nachhinein, ist oft aufwendiger als das eigentliche Schreiben.
Typische Situation für Pantser: Du hast in einer Nacht drei Kapitel geschrieben, weil die Geschichte dich mitgerissen hat. Und dann schaust du auf das Manuskript und weißt nicht mehr, wer diese neue Figur eigentlich ist, die plötzlich auftaucht.
Der Plantser: Das Beste aus beiden Welten?
Die meisten Autorinnen und Autoren, die ich kenne, und ich selbst gehöre dazu, landen irgendwo dazwischen. Manchmal hat man einen groben Plan: drei Schicksalspunkte, eine Ahnung vom Ende, den wichtigsten Wendepunkt. Und alles dazwischen wird entdeckt.
Das nennt man Plantser. Und es ist keine Kompromisshaltung. Es ist oft die ehrlichste.
Hybridansätze haben ihre eigene Logik: Du planst genug, um Orientierung zu haben. Du lässt genug offen, um überrascht werden zu können. Die Wahl, wie viel Plan du brauchst, hängt nicht von einer Regel ab, sie hängt von dir ab.
Wie du herausfindest, zu welchem Typ du tendierst
Es gibt keinen Test, der dir eine Wahrheit einbrennt. Aber es gibt Fragen, die Licht ins Dunkel bringen.
4 Fragen, die Klarheit schaffen
1. Wie fühlst du dich, wenn du anfangen sollst, ohne zu wissen, wie die Geschichte endet? Wenn die Antwort „befreit“ ist: Pantser. Wenn die Antwort „nervtötend“ oder „blockiert“ ist: Plotter.
2. Wann verlierst du die Lust am Schreiben? Wenn du alles schon weißt? Dann brauchst du Offenheit. Wenn du nicht weißt, was als nächstes kommt? Dann brauchst du Struktur.
3. Was ist dir lieber: Ein Manuskript, das möglicherweise viel Überarbeitung braucht, aber lebendig klingt? Oder ein Manuskript, das strukturell schon beim ersten Entwurf funktioniert? Beides ist möglich, aber deine Präferenz verrät viel darüber, wie du arbeitest.
4. Wenn du einen Roman liest, der dich begeistert, interessierst du dich mehr dafür, wie die Geschichte aufgebaut ist, oder dafür, was als nächstes passiert? Struktur-Affinität spricht für Plotter. Überraschungsfreude spricht für Pantser.
Was deine bisherigen Schreiberfahrungen verraten
Denk an das letzte Schreibprojekt, das du begonnen hast. Egal ob du es beendet hast oder nicht.
Wo bist du stecken geblieben? Im Mittelteil, weil du nicht wusstest, was als Nächstes kommt? Dann ist das ein Zeichen, dass du mehr Struktur bräuchtest. Oder hast du den Plan so genau ausgearbeitet, dass sich das Schreiben selbst wie eine Pflicht angefühlt hat? Dann erdrückt dich die Planung.
Unsere Schreiberfahrungen sind kein Urteil über unser Talent. Sie sind Hinweise auf unsere Natur. Und wer seine Natur kennt, kann mit ihr arbeiten.
Kostenloser Schreibtyp-Test mit 20 Fragen
Wenn du diese Fragen für dich durchgegangen bist und noch immer das Gefühl hast: „Ich weiß es nicht genau“, dann ist das vollkommen in Ordnung. Denn genau dafür habe ich ein kostenloses Schreibtyp-Quiz zusammengestellt.
20 Fragen, die dir zeigen, wo du auf dem Spektrum von Plotter bis Pantser stehst. Nicht als festgelegtes Etikett, sondern als Ausgangspunkt für ein besseres Verständnis davon, wie dein Kopf beim Schreiben arbeitet.
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Als Plotter effektiver schreiben
Du weißt, dass du planst. Du magst Struktur. Gut. Dann lass uns schauen, wie du das noch besser nutzen kannst, ohne in die Planungs-Falle zu tappen.
Outline-Methoden: Snowflake, Three-Act, Beat Sheet
Die Snowflake-Methode (Randy Ingermanson) beginnt mit einem Satz, der die Geschichte zusammenfasst und erweitert sich langsam, wie eine Schneeflocke, in immer mehr Detail. Sie ist ideal, wenn du noch nicht weißt, welche Ebene der Planung du brauchst.
Die 3-Akt-Struktur ist das, was ich den meisten empfehle, die mit dem Schrieben anfangen: Anfang, Konfrontation, Auflösung. Das wars. Und trotzdem trägt sie fast jeden Roman. Mehr dazu findest du im Fantasy-Roman-schreiben-Artikel.
Das Beat Sheet (nach Blake Snyder) arbeitet mit konkreten Szenen-Schlagpunkten: Wendepunkte, emotionale Tiefpunkte, der Moment vor dem Finale. Es ist detaillierter als die 3-Akt-Struktur und kann sowohl hilfreich als auch einengend sein. Je nachdem, wie viel Freiheit du brauchst.
Wann der Plan zur Falle wird – Flexibilität einbauen
Ich habe das selbst erlebt: Man hat stundenlang geplant, und dann sagt eine Figur in Kapitel fünf etwas, das alles verändert. Und man sitzt da und denkt: Aber das stand nicht im Plan oder wow, dass habe ich nicht kommen sehen.
Hier ist das Ding: Der Plan dient dir. Du dienst nicht dem Plan.
Baue Flexibilität ein, indem du zwischen „feste Ankerpunkte“ und „offene Abschnitte“ unterscheidest. Der Anfang, zwei oder drei Wendepunkte und das Ende können festliegen. Was dazwischen passiert, darf sich beim Schreiben zeigen.
Tools für strukturiertes Planen
Notion und Papyrus sind die Klassiker. Notion bietet maximale Freiheit beim Aufbau von Plotstruktur, Charakter-Datenbanken und Worldbuilding-Notizen. Papyrus ist speziell für Romanautorinnen und -autoren gebaut: Kapitel können verschoben, zusammengefasst und mit Stichworten versehen werden.
Wer lieber analog bleibt: Ein Notizbuch mit Post-its reicht. Manchmal ist das sogar besser. Der Blick aufs große Bild auf der Tischfläche hat seine eigene Magie. So arbeite ich persönlich auch am liebsten. Ich plotte meine Geschichten noch ganz klassisch auf Karteikarten.
Als Pantser effektiver schreiben
Du liebst das Entdecken, die Überraschungen und das Gefühl, wenn eine Szene entsteht, die du selbst nicht kommen sahst.
Und vielleicht liebst du weniger das Durchhängen im Mittelteil. Das Gefühl, den Faden verloren zu haben. Das Manuskript, das nach hundert Seiten keine Richtung mehr hat.
Die gute Nachricht: Du musst nicht planen, um Orientierung zu haben.
Wie du ohne Plan trotzdem Orientierung behältst – Szenen-Anker statt Outline
Statt einer Outline arbeitest du mit Szenen-Ankern: zwei oder drei Bilder, Momente oder Emotionen, von denen du weißt, dass sie in deiner Geschichte vorkommen werden. Das könnte ein bestimmtes Gespräch sein. Eine Entscheidung, die deine Figur trifft. Ein Ort, an dem etwas Wichtiges geschieht.
Diese Anker geben dir einen Horizont, ohne den Weg festzulegen. Du weißt grob, wohin du gehst, aber wie du dort hinkommst, entdeckst du erst beim Schreiben.
Umgang mit dem „Sagging Middle“
Der Mittelteil ist das große Problem vieler Pantser. Man beginnt mit Schwung, der Anfang trägt und dann verliert sich die Geschichte.
Eine einfache Technik: Frage dich am Ende jeder Szene, was die nächste Entscheidung deiner Figur ist. Nicht das nächste Ereignis. Entscheidungen erzeugen Konsequenzen. Konsequenzen erzeugen Handlung. Handlung erzeugt Spannung.
Wenn du das Gefühl hast, die Geschichte stagniert, fragst du: Was verliert meine Figur gerade, und was gewinnt sie stattdessen?
Überarbeitung als strukturgebender Akt
Für viele Pantser ist der erste Entwurf nicht das Manuskript. Er ist das Material.
Die eigentliche Struktur entsteht in der Überarbeitung. Dort siehst du, welche Szenen tragend sind, welche sich wiederholen und welche Handlungsstränge ins Leere gehen. Du strukturierst nicht vorher, sondern hinterher beim Entdecken.
Das ist ein gültiger Prozess. Er braucht nur mehr Zeit in der Nachbearbeitung. Wenn du das weißt und einplanst, verliert er seinen Schrecken.
Kann man seinen Schreibtyp verändern?
Ja. Und manchmal ist es nötig. Ich selbst habe den Wandel durch gemacht und bin vom Pantser, zum Plotter geworden und habe mich im Laufe der Zeit irgendwo beim Plantser eingependelt.
Ein Plotter, der an einem sehr langen, komplexen Mehrbandwerk schreibt, wird feststellen, dass ein wenig Offenheit die Figuren lebendig hält. Ein Pantser, der ein Mystery-Subgenre bedient, wird merken, dass ein gewisses Maß an Planung nötig ist, damit die Hinweise stimmig sind.
Manche Projekte verlangen einen anderen Ansatz als du. Das heißt nicht, dass du dich verbiegen musst. Es heißt, dass du flexibel genug bist, auf das zu hören, was die Geschichte braucht.
Experimente: Mal anders schreiben als gewohnt
Wenn du immer planst: Schreib einmal eine Kurzgeschichte völlig ohne Outline. Lass dich überraschen. Du musst das Ergebnis nicht veröffentlichen, aber du wirst über dich selbst als Schreibende Person etwas lernen.
Wenn du immer einfach drauflosschreibst: Probiere, eine einzige Seite Outline für ein Kurzprojekt zu schreiben. Nur die drei Wendepunkte. Nicht mehr. Und schau, was das mit deinem Schreibfluss macht.
Schreibtypen sind keine Diagnosen. Sie sind Ausgangspunkte für Experimente.
Dein Schreibtyp ist kein Urteil
Hier ist die Erkenntnis, die ich dir mitgeben möchte:
Es gibt keinen überlegenen Schreibtyp. Kein „richtig“ oder „falsch“. Keine Methode, die garantiert, dass du fertig wirst. Oder dass dein Roman gut wird.
Was es gibt: Einen Weg, der zu dir passt. Und einen Weg, der dir Energie raubt, weil du gegen deine eigene Natur arbeitest.
Stephen King ist Pantser. J.K. Rowling hat Charakterbögen und Plotlinien in tabellarischer Form erstellt, bevor sie den ersten Satz von Harry Potter schrieb. Beide haben Romane geschrieben, die Millionen von Menschen bewegt haben.
Die Methode ist nicht das Ziel. Das Schreiben ist das Ziel.
Und der erste Schritt dorthin ist, dich selbst gut genug zu kennen, um zu wissen, was dich ins Schreiben bringt und was dich davon abhält.
Jetzt testen: Welcher Typ steckt in dir?
Wenn du nach diesem Artikel immer noch unsicher bist oder wenn du einfach neugierig geworden bist, wo du auf dem Spektrum landest, dann lade ich dich ein, den kostenlosen Schreibtyp-Quiz zu machen.
20 Fragen. Kein Richtig, kein Falsch. Nur Klarheit darüber, wie du als Schreibende Person tickst und was das für dein nächstes Projekt bedeutet.
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Dein Schreibtyp wartet schon darauf, entdeckt zu werden.