Als ich vor, ich mag es gar nicht sagen, fast 15 Jahren die Idee zu meiner Fantasy-Trilogie hatte, war ich nicht nur motiviert, sondern legte auch direkt los zu schreiben. Die Idee hatte ich komplett im Kopf, die Hauptfiguren waren kurz umrissen und der Rest würde schon noch beim Schreiben kommen. So war zumindest der Plan.
Aber…
Das Schreiben war alles andere als leicht. Um ehrlich zu sein war es sogar anstrengend. Von locker und leicht konnte keine Rede sein und der viel beschriebene Flow wollte sich einfach nicht einstellen, der mich von Wort zu Wort und von Satz zu Satz getragen hätte. Es herrschte absolute Fehlanzeige.
Ich quälte mich durch die ersten zehn Kapitel und musste mir eingestehen, hier passte gar nichts. Halb war meine Welt modern, irgendwie noch ein bisschen Steampunk und die verwendete Sprache stammte gefühlt aus dem Mittelalter. Ich schrieb mich von einer Katastrophe in die nächste und landete immer wieder in Sackgassen, aus denen ich mich nur mühsam herausarbeiten konnte.
Frustriert und demotiviert landete das Manuskript in der metaphorischen Schublade und versauerte dort auf unbestimmte Zeit. Schlimmer noch, ich gab der Idee die Schuld und war fest davon überzeugt, dass sie schlecht war.
Doch es lag nicht an der Idee. Denn das, was ich absolut unterschätzt hatte, war, wie wichtig ein durchdachtes Worldbuilding ist, insbesondere im Fantasy-Genre. Die Welt ist es schließlich, die den Roman trägt und zur Glaubwürdigkeit beiträgt. Und das Bittere daran war, ich kannte die Regeln. Ich fühlte mich im Fantasy-Genre zu Hause und habe sowohl die großen als auch die kleinen Werke regelrecht verschlungen. Allen voran natürlich Der Herr der Ringe, Der Name des Windes oder die Arlen-Chroniken.
Zum Glück hat mich meine Idee nie ganz verlassen. Über die Jahre hinweg tauchte sie immer wieder auf, weil sie mich einfach nicht losgelassen hat. Mal zeigte sie sich als Szene, mal als Bild, manchmal nur als Gefühl dafür, dass da noch eine Geschichte wartet.
Und irgendwann war sie plötzlich da
Ich weiß nicht mehr genau, wann es passiert ist, aber plötzlich hatte ich diese Welt klar vor Augen und wusste in genau diesem Moment, das ist sie. Das ist die Welt, in der meine Geschichte spielen muss.
Doch statt mich wieder überstürzt ans Schreiben zu setzen und damit meinen alten Fehler zu wiederholen, musste es diesmal anders laufen. Dieses Mal musste ich zuerst die Welt in ihrem gesamten Dasein erschaffen, um mich danach wirklich frei in ihr bewegen zu können.
Und genau an diesem Punkt möchte ich dir ein paar ganz konkrete Dinge mitgeben, die ich damals entweder ignoriert oder unterschätzt habe.
Denn gutes Worldbuilding ist kein Zufall. Es ist Handwerk.
1. Lege die Regeln deiner Welt fest und halte dich daran
Magie, Technologie, Gesellschaft. Egal, was deine Welt ausmacht, sie braucht klare Regeln. Nicht für den Leser, sondern für dich. Wenn in Kapitel drei etwas möglich ist, darf es in Kapitel zwölf nicht plötzlich unmöglich sein, es sei denn, du hast einen wirklich guten Grund dafür.
Mini-Übung:
Schreibe fünf unumstößliche Regeln deiner Welt auf.
Zum Beispiel: Magie kostet immer einen Preis. Oder: Es gibt keine Götter, nur Mythen.
2. Kenne deine Welt besser als deine Figuren
Deine Figuren müssen nicht alles wissen. Aber du solltest es. Je mehr du über Geschichte, Kulturen, Konflikte und Eigenheiten deiner Welt weißt, desto natürlicher wirkt alles, was darin passiert.
Mini-Übung:
Schreibe eine kurze Geschichtsstunde deiner Welt, maximal eine Seite.
Was ist das wichtigste Ereignis der letzten hundert Jahre?
3. Baue nicht alles, sondern das Richtige
Früher habe ich versucht, wirklich alles zu durchdenken. Jede Stadt, jede Währung, jede Pflanze. Das ist nicht nur anstrengend, sondern oft auch unnötig. Baue gezielt das, was deine Geschichte wirklich braucht.
Mini-Übung:
Nimm deine aktuelle Storyidee und beantworte folgende Frage:
Welche drei Elemente deiner Welt sind absolut entscheidend für die Handlung?
4. Verknüpfe Welt und Konflikt
Die Welt ist keine Kulisse. Sie ist ein aktiver Teil deiner Geschichte. Die besten Konflikte entstehen aus der Welt heraus und nicht unabhängig von ihr.
Mini-Übung:
Formuliere einen Konflikt, der nur in deiner Welt existieren kann.
Wenn du ihn problemlos in eine andere Welt übertragen könntest, ist er noch nicht spezifisch genug.
5. Teste deine Welt im Kleinen
Bevor du dich an dreihundert Seiten setzt, teste deine Welt. Eine Szene. Ein Dialog. Ein Moment. So merkst du schnell, ob sich alles stimmig anfühlt oder ob noch etwas fehlt.
Mini-Übung:
Schreibe eine kurze Szene mit etwa dreihundert Wörtern, in der deine Welt sichtbar wird, ohne dass du sie direkt erklärst.
Ich habe damals den Fehler gemacht zu glauben, dass die Idee alleine reicht. Soll ich dir was sagen, tut sie nicht.
Aber wenn deine Welt trägt, verändert sich etwas Grundlegendes. Plötzlich musst du die Geschichte nicht mehr erzwingen. Sie beginnt, sich ganz natürlich zu entfalten. Und all das bewirkte am Ende, dass ich wieder diese Leichtigkeit beim Schreiben verspürte und mich der Flow durch die Kapitel trug.
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